Das Ammerland ist reich an Mythen und Geschichten. Eine Erzählung führt uns nach Wiefelstede: Die Sage vom Schatz vom Wiefelsteder Esch.
Eine geheimnisvolle Johannisnacht
Es geschah einst in der magischen Johannisnacht – der Nacht zum 24. Juni, in der nach altem Volksglauben die Grenzen zwischen der Alltagswelt und dem Verborgenen verschwimmen. Punkt Mitternacht ging eine Frau aus Wiefelstede über den Wiefelsteder Esch. Doch plötzlich blieb die Frau vor Schreck und Neugier stehen: Drüben am Rande eines Roggenackers lag eine glühende Masse. Von Neugier getrieben, trat die Frau näher heran. Als sie sich ganz dicht darüber beugte, spürte sie keine Hitze, sondern sah mit eigenen Augen einen großen Haufen puren Goldes vor sich liegen, der wie helles Feuer glänzte.
Reaktionsschnell warf die Frau ihren Kreuzdornstock, den sie gerade als Gehstock in der Hand hatte, auf den flimmernden Haufen. Sogleich erlosch der unheimliche Glanz des Feuers – das Gold war gebannt! Hastig breitete sie ihren weiten Rock aus, bückte sich und griff beherzt nach dem Schatz.
Plötzlich erschallte ganz in ihrer Nähe eine geheimnisvolle Stimme aus der Dunkelheit:
„Nimm soviel du tragen kannst, wenn du dich aber mit deiner Last niedersetzen musst, ehe du sie zu Hause hast, so entschwindet dir der Schatz.“
Erschrocken, doch ohne zu zögern lud die Frau ein Goldstück nach dem anderen in ihren Rock. Doch schnell spürte sie, wie die tonnenschwere Last ihre Kräfte überstieg. Besonnen warf sie ein paar Klumpen zurück und machte sich Schritt für Schritt auf den beschwerlichen Heimweg.
Der Weg zog sich schier unendlich dahin. Das Gold wog zentnerschwer an ihren Knien und zog ihren Körper nach unten. Die Beine zitterten, der Schweiß floss in Strömen, doch mit letzter Kraft erreichte sie ihr Heim.
Der Lohn der Mühe war groß: Ab diesem Tag war ihre Familie sehr reich. Doch das magische Gold forderte seinen Preis – von dem jahrelangen, schweren Tragen in jenem schicksalhaften Moment blieb die Frau für den Rest ihres Lebens gebückt.
Vom Sagenschatz zur modernen Schatzsuche: Geocaching im Ammerland
Auch wenn heutzutage auf den Wiefelsteder Feldern selten echte Goldklumpen am Wegesrand liegen, hat der Reiz der Schatzsuche im Ammerland keineswegs nachgelassen! Wer heute den Nervenkitzel spüren möchte, verborgene Schätze zu entdecken, greift allerdings nicht mehr zum Kreuzdornstock, sondern zum Smartphone oder GPS-Gerät.
Wie wir euch bereits in unserem früheren Blogbeitrag zum Thema Geocaching im Ammerland vorgestellt haben, gibt es im Ammerland viele Schätze zu entdecken: Entlang von Waldwegen, historischen Kirchpfaden oder auch rund um das Zwischenahner Meer – sind kleine und große „Caches“ (wasserdichte Behälter mit Logbuch und kleinen Tauschgegenständen) versteckt.
Beim Geocaching geht es ganz ähnlich zu wie in der alten Sage: Man benötigt Spürsinn, Neugier und manchmal das richtige Auge für ungewöhnliche Details in der Natur. Der Vorteil heute? Ihr müsst keine überschweren Goldlasten nach Hause schleppen, die euch den Rücken krümmen! Der wahre Schatz beim Geocaching ist das gemeinsame Erlebnis an der frischen Luft, das Rätsellösen und das Entdecken von schönen Ecken im Ammerland, an denen man sonst vielleicht vorbeigelaufen wäre.
*Quelle: Sagen und Dichtungen aus dem Landkreis Ammerland, Hrsg. Landkreis Ammerland, 2000






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