Am Freitag ist Halloween – Zum Einstimmen in diese gruselige Zeit des Jahres tauchen wir ab in eine alte Sage aus unserer Region: die Geschichte „Die Gespenster im Wildenloh“.
Es scheint, als sei der Wildenloh kein ganz ungefährlicher Ort, denn Menschen, die dort früher Holz kauften oder Bickbeeren sammelten, sahen dort öfters gleich drei Gespenster. Jede dieser ruhelosen Seelen trägt die Last einer dunklen Tat und ist zu einer ewigen, schier endlosen Buße verdammt…
Die drei gepeinigten Seelen
Rode Jan Harm: Das erste Gespenst ist Rode Jan Harm, ein rothaariger Fährmann aus Elsfleth. Seine schreckliche Tat: Er stieß einen reichen Kaufmann beim Übersetzen über die Weser ins Wasser und raubte dessen Geldkiste. Zwar führte er mit dem unrecht erworbenen Geld ein ausschweifendes Leben, doch nach seinem Tod musste er als Geist umgehen. Erst der Elsflether Pastor konnte ihn bannen. Nun ist seine Strafe im Wildenloh, alle Bickbeerenblätter zu zählen.
Kaufmann Muhle: Das zweite Gespenst ist Kaufmann Muhle aus der Achternstraße in Oldenburg. Sein Vergehen war der Betrug eines Arbeiters um eine große holländische Erbschaft. Als Geist spukte er zur Strafe in seinem Haus, bis Hausbewohner zwei Pater aus Vechta riefen. Diese brachte ihn zum Wildenloh und befahlen ihm dort, alle Heideblüten zu zählen.
Bürgermeister Rottmann: Zuletzt der Bürgermeister Rottmann in Oldenburg. Er war ein kluger Kopf, doch beging er einen Meineid, um zu Unrecht einen Prozess zu gewinnen. Obwohl er versuchte, den Schwur zu entwerten, indem er mit der linken Hand einen Westenknopf abdrehte, während er die Rechte zum Schwur hob, plagte ihn sein schlechtes Gewissen. Auf dem Sterbebett bekannte er die Tat. Seine Strafe ist es, als Geist im Wildenloh zu spuken und entweder alle Bähnthalme im Moor zu zählen oder die Quelle im Wildenloh mit einem Eimer ohne Boden auszuschöpfen.
Begegnungen im Dunkeln
Wer spät abends durch den Wildenloh wandert, dem mag das eine oder andere Gespenst begegnen. Man sieht sie als roten Kopf durchs Farnkraut huschen oder über einer Hecke auftauchen.
Manche Wanderer berichten auch von einer Erscheinung in Gestalt einer Frau. Sie tritt aus dem Wald, schaut mit der Hand schützend über den Augen weit übers Moor, bevor sie wieder im Busch verschwindet. Manche vermuten, es sei die weiße Frau, die einst im Oldenburger Schloss spukte und verschwand, als das Schloss wieder dauerhaft bewohnt wurde.
Egal, ob ihr dieses Jahr im Wildenloh unterwegs seid oder nicht: Passt auf, wen ihr betrügt oder welche Eide ihr schwört! Sonst seid ihr vielleicht das nächste Gespenst, das für alle Ewigkeit Heideblüten zählen muss….!
Happy Halloween!
(Quelle: Sagen und Dichtungen aus dem Landkreis Ammerland / zsgest. und hrsg. vom Landkreis Amemrland, Oldenburg 2000)






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